Flugzeugführerabzeichen Teil I

Die Ausführung des Flugzeugführerabzeichens ab 1935 bis 1945,  ist neben dem „ Eisernen Kreuz “ sicher eines der markantesten und schönsten Abzeichen der gesamten deut-schen Ordensgeschichte.

Das    Flugzeugführerabzeichen    wurde    durch    das    RLM ( Reichsluftfahrtministerium ) mit der Luftwaffen-Dienstvor- schrift Nr. 7829/35 am 12. August 1935 eingeführt. Auf die Verleihungsbedingungen wollen wir nur insoweit eingehen, dass Voraussetzung hierfür, die Flugberechtigungsscheine B I und B II waren.

Flugzeugführerabzeichen

Hersteller Otto Mayerbaum (OM), Berlin; Buntmetall, Gewicht: 43,01 Gramm; Maße in mm: H 52,6 B 46,6; Materialstärke: Kranz 4 mm; Materialstärke Adler: 2,5 bis 6 mm

Flugzeugführerabzeichen

Hersteller C.E. Junker, Berlin; 800 Silber; Gewicht: 30,92 Gramm; Maße in mm: H 52,5 B 41,15; Materialstärke: Kranz 2,55 mm; Materialstärke Adler: 2,25 bis 4,25 mm;

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Abzeichen waren aus massivem Metall voll geprägt und bestanden aus 7 Einzelteilen.

Einem hochovalen Kranz, linke Hälfte Lorbeerblätter, rechte Hälfte Ei­chenlaub, die unten mit drei parallel senkrecht gewölbten Bändern gebunden waren. Die erhabenen Stellen des Kranzes und die Umrandung waren po­liert.

Der Kranz war vom Außen- zum Innenrand leicht erhaben gewölbt. ( 0,8 bis 1,4 mm )

Maße: Höhe von 52 bis 53,5 mm, Breite von 41 bis 43 mm.

Materialstärke vor der Prägung 3 mm

Kranzrohling

Kranzrohling im Zustand nach der Prägung.

Adlerrohling im Zustand nach der Prägung.

Adlerrohling im Zustand nach der Prägung.

Kranz- und Adlerrohling im Zustand nach der Prägung. Das Übermaterial wurde bis zu den Prägekonturen beider Stücke außen und innen herausgesägt. Danach verfeilt und geschliffen, versilbert, teilweise auch mit gefrosteter Versilberung,

Der fliegende Adler hatte hoch erhobene Schwingen und einen nach rechts unten gerichteten Kopf. Von Flügelende zu Flügelende um bis zu 6,5 mm erhaben gewölbt.  In seinen Fängen hielt er ein auf der Spitze stehendes poliertes Hakenkreuz ( folgend HK  genannt )

Der Adler war altsilbern oxydiert bzw. patiniert.

 

Maße: Breite von 63,5 bis 66,5  mm, Höhe inklusive Haken-kreuz von 41 bis 43 mm. Materialstärke vor der Prägung 3 mm

 

Der Adler wurde mit zwei Vollnieten  am oberen Drittel des Kranzes vernietet. Auf der oberen Rückseite des Kranzes wurde eine senkrechte Scharniernadel mit Nadelstift und dem sogenannten  Nadelhalter sowie an der unteren Rückseite des Kranzes der Nadelbock gleichfalls verlötet. (MS-Silberlot )

Diese frühen sogenannten flachen Stücke, ( wegen der sehr dünnen Materialstärke ) wurden damals in 3 Metall-Varianten, aus Silber 800 (Gewicht 30,9 Gramm), Buntmetall (Gewicht 31,5 bis 45,6  Gramm), oder Aluminium (Gewicht 10 Gramm) hergestellt.

Der Hersteller dieser Abzeichen war fast ausschließlich C.E. Junkers/Berlin, daneben gab es auch noch vereinzelt Stücke von F.W. Assmann & Söhne in Lüdenscheid.

Ebenso kommen Stücke dieser beiden Hersteller aber auch ohne deren Herstellerkennzeichnung vor. Alle die zuvor genannten Varianten oder auch Metallkombinationen daraus sind heute extrem selten geworden. Die damaligen Herstellungszahlen dieser drei Grundvarianten des Flugzeug-führerabzeichens dürften mit Sicherheit  weit unter  2500  Exemplaren liegen.

 

geöffnetes Etui  mit Flugzeugführerabzeichen  sowie  der  Miniatur  (16 mm ) an der Nadel

geöffnetes Etui mit Flugzeugführerabzeichen sowie der Miniatur (16 mm ) an der Nadel

geschlossenes Etui

geschlossenes Etui

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Tätigkeitsabzeichen wurden ausschließlich in dunkel-blauen Etuis mit dem Aufdruck Flugzeugführerabz. ( in Goldschrift ) verliehen bzw. überreicht. Rahmen-, Deck- und Bodenplatte aus Holz, verkleidet mit Papier in Stoffriffelung.

Zu öffnen mittels eines gefederten Druckknopfes, acht-gliedriges Klapp-Scharnier, beide normalerweise magnetisch. Innendeckel gefüttert und mit blauer bis violettblauer Seide überzogen. Innenuntereinlage Holzplatte mit Aussparung für die Ablagevorrichtung des Abzeichens, diese ebenfalls mit blauem bis violettblauem Samt überzogen.

Maße: Länge 76 bis 78 mm, Breite 78 bis 81 mm, Höhe 24 bis 26,5 mm

Zusätzlich gab es Flugzeugführer – Stoffabzeichen,  die maschinen- und handgestickt waren. Hier gab es für beide Varianten auch mehrere Farb-Variationen bei den Stoffauf-lagen und – unterlagen zu den verschiedenen Uniformblusen, oder Sonderausrüstungen wie z. B. Fliegerkombis usw.

 

Stoffabzeichen für Mannschaften

Stoffabzeichen für Mannschaften, Seidenfaden maschinengestickt und von Hand nachgestickt.

Stoffabzeichen für Offiziere und Portepeeträger

Stoffabzeichen für Offiziere und Portepeeträger, mit silberfarbenem Alugespinst von Hand gestickt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Maße der Stoffabzeichen entsprach den Flugzeugführer – Metallabzeichen.

Ebenfalls gab es noch Stoff-Ausführungen, die in Alugespinst  handgestickt waren und die nur Offiziere oder Portepeeträger tragen durften.

Flugzeugführerabzeichen leichte veränderte Form ab 1936

Da einerseits der Bedarf an Flugzeugführerabzeichen zur Neuaufstellung der Geschwader der Luftwaffe mächtig gestiegen war, andererseits sich schon Erfahrungen zur bisherigen Trageweise und Herstellung ergeben hatten, wurde die Produktion der sogenannten flachen Form etwas verbes-sert. Dies aus folgenden Gründen:

1. Die flache und dünnere Form der bisherigen Abzeichen wurde bei den Flugzeugführern während des Flugdienstes, Ausbildung und Übungen öfters schnell beschädigt. Nadelhaken oder Nadelbock brachen aus, die Vernietung löste sich, oder gar der Kranz brach an der Vernietung ab. Das Material musste also verstärkt werden, um der neu geforderten Beanspruchung  auch standhalten zu können.

 

Materialstärke

Materialstärke

Materialstärke

Materialstärke

Materialstärke der zweiten Form im Vergleich zu der der ersten Form des Flugzeug-führerabzeichens.

 

2. Die ersten gravierten Prägewerkzeuge ließen eine nur kleine Serien- Stückzahl  zu, da sich nach wenigen hundert Prägevorgängen die Qualität schnell verschlechterte. Die Prägestempel konnten zwar noch 1 – 2 mal nachgearbeitet werden, aber dann waren die Stempel doch unbrauchbar geworden.

Durch die Materialverdickung des Kranzes  und des Adlers um etwa 1 mm, wurde die Stabilität des fertig montierten Ab-zeichens in sich sehr erhöht. Die Verbesserung der Präge-stempel ließ nun Erstserien von bis zu 3000 geprägten Stücken zu. Mit zwei Nacharbeitungen der Prägestempel konnten nochmals zwei Nachserien von jeweils bis zu 1500 Stücken hergestellt werden.

Im Teil II des nächsten 52er – Nachrichtenblattes, behandeln wir die diversen Hersteller und die so genannten Kriegs-ausführungen in Feinzink sowie das gemeinsame Flugzeug-führerabzeichen für Flugzeugführer und Beobachter. Dazu selbige Sonder-Ausführung in Gold und Brillianten.

Anmerkung: Der Verfasser hat zu dieser Studie nachweislich in den letzten 20 Jahren über 400  zeitgenössische Flugzeugführerabzeichen der verschiedensten damaligen Hersteller eingesehen, untersucht, vermessen, gewogen und fotographisch dokumentiert und katalogisiert.

Copyright: M .H .H. Wägenbaur – Nov.  2005

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