Consolidated B-24

Die Consolidated B-24 Liberator war ein schwerer Bomber der US-amerikanischen Consolidated Aircraft Corporation (ab 1943: Consolidated Vultee Aircraft Co.). Der viermotorige Hochdecker war im Zweiten Weltkrieg neben der B-17 der wichtigste strategische Bomber der USAAF auf dem europäischen Kriegsschauplatz.

Geschichte

Eigentlich wollte die US Army, dass Consolidated ebenfalls die B-17 produziert, wobei diese eine Maschine mit besseren Leistungen anboten, worauf das US Marine Corps im März 1939 einen Prototypen bestellte mit der Bedingung, dass dieser bis Ende 1939 flog. Gemäß der Ausschreibung der USAAF, die ein Flugzeug mit noch besseren Leistungen als die B-17 forderte, hatte die Liberator tatsächlich eine gegenüber der Flying Fortress höhere Reichweite und Zuladung; deren Dienstgipfelhöhe konnte sie allerdings nicht erreichen. Zu verdanken hatte sie dies dem Davisflügel (Flügel vom Ingenieur David Davis mit großer Streckung, geringerer Tiefe und hoher Krümmung). Dieses Tragflächenprofil sorgte allerdings auch dafür, dass die Langsamflug- und Steuereigenschaften zu wünschen übrig ließen. Die B-24 war somit schwieriger in den für den gegenseitigen Feuerschutz wichtigen engen Formationen zu fliegen als die B-17. Der Prototyp XB-24 startete gerade noch rechtzeitig für den geplanten Termin am 29. Dezember 1939 auf dem Lindbergh Field mit Testpilot William Whetley zum Erstflug. Noch vor diesem bestellte Frankreich im April 1939 175 Stück der Maschine, die nach der Kapitulation Frankreichs teilweise nach Großbritannien ausgeliefert wurden. Am 26. Juli 1940 forderte das Air Corps, dass die Maschine mit Turboladern und beschusssicheren Tanks ausgerüstet werden soll. Der umgebaute Prototyp und eine von sieben Vorserienmaschinen YB-24 (die restlichen gingen direkt nach Großbritannien) dienten der weiteren Erprobung. Der erste Einsatz erfolgte im Januar 1942 beim Angriff auf Sulawesi, die ersten größeren Einsätze mit B-24D im Februar 1943 in Neuguinea.[1]

Die B-17 hatte den Ruf, Kampfschäden weit besser zu verkraften als die B-24, und auch die Jagdflieger der deutschen Luftwaffe hielten die B-24 für vergleichsweise leicht abzuschießen; insbesondere deshalb, da die B-24 dazu neigte, leichter in Brand zu geraten als die B-17. Die Besatzungen der B-17 sagten mit einem Anflug von schwarzem Humor, „sie brauchten keinen Begleitschutz, solange die B-24 in der Nähe seien – alle Jäger stürzten sich dann auf die leichtere Beute“.

Eine Analyse der von der 8th Air Force in Europa erlittenen Bomberverluste zeigt allerdings, dass die Verlustraten der B-24 sogar geringfügig niedriger waren als die der B-17. Dieses Ergebnis muss jedoch unter dem Aspekt der unterschiedlichen Einsatzbedingungen gesehen werden. Da die B-17 bereits seit August 1942 über Europa eingesetzt wurde und in der Anfangszeit kein Langstreckenbegleitjäger zur Verfügung stand, waren bis zu jenem Zeitpunkt, an dem auch die B-24 im Kampf eingesetzt wurden, bereits viele B-17 abgeschossen worden. In der späteren Kriegsphase, als B-17 und B-24 gleichzeitig eingesetzt wurden und zudem Langstreckenbegleitjäger zur Verfügung standen, wurden dann mehr B-24 als B-17 abgeschossen. Den „Verlustvorsprung“ der B-17 konnte die B-24 jedoch nicht mehr aufholen.

Im Gegensatz zur B-17 wurde die B-24 mit wesentlich größerem Erfolg auch in der U-Jagd eingesetzt. Ausschlaggebend dafür war die im Vergleich zur B-17 höhere Reichweite, die es erlaubte, auch über dem Mittelatlantik zu operieren. Die Liberator war damit maßgeblich daran beteiligt, dass ab Mai 1943 das „Luftloch“ über dem Atlantik, in dem die deutschen U-Boote höchstens von Trägerflugzeugen angegriffen werden konnten, völlig geschlossen werden konnte und die deutsche U-Bootflotte schwere Verluste erlitt (siehe U-Boot-Krieg: Januar bis Mai 1943). Die B-24 wurde ab 1942 vom Coastal Command der Royal Air Force eingesetzt und im Laufe der Zeit technisch immer weiter modernisiert; mit Radargeräten konnten die Flugzeuge auch über größere Strecken U-Boote orten, bei Nacht mit dem Leigh Light genannten Scheinwerfersystem beleuchten und mit Wasserbomben, Bordwaffen und am Ende des Krieges sogar akustisch gelenkten Torpedos bekämpfen. Hinzu kam auch, dass sich über offener See die Nachteile gegenüber anderen Bombern nicht so gravierend auswirkten, da keine Gefahr durch feindliche Jäger bestand.

Die B-24 wurde in größeren Stückzahlen (18.482) gebaut als jedes andere amerikanische Flugzeug im Zweiten Weltkrieg. Eingesetzt wurde sie als schwerer Bomber, als Tank- und Seeüberwachungsflugzeug, sowie bei der US Navy unter der Bezeichnung PB4Y auch als U-Boot-Bekämpfungsflugzeug und Aufklärer. Unter der Bezeichnung Consolidated C-87 wurde das Muster außerdem als Passagier- und Frachtflugzeug eingesetzt.

Unter der Bezeichnung F-7 wurden B-24 der USAAF als Aufklärungsflugzeuge ausgeliefert.

Eine verbesserte Variante der B-24 wurde für die US Navy als PB4Y-2 Privateer hergestellt.

Varianten

U.S. Army Air Forces

  • XB-24 (Consolidated Model 32): Prototyp mit Pratt & Whitney R-1830-33 Sternmotoren mit 1.000 PS (746 kW), einer gebaut.
  • YB-24/LB-30A: Vorserienflugzeuge, sechs wurden als LB-30A an Großbritannien geliefert.
  • B-24: 2. Vorserienversion, die 30 Tage nach der XB-24 geordert wurde, sieben gebaut.
  • B-24A/LB-30B: aerodynamisch verfeinerte Serienversion , 38 gebaut.
  • XB-24B: Prototyp mit R-1830-41 Sternmotoren mit Turbolader mit 1.200 PS (895 kW), und elliptischen Motorenverkleidungen. Umbau aus der XB-24.
  • B-24C: neun umgebaute B-24A mit R-1830-41-Motoren und Emerson A-6 Turm im Heck sowie Martin-Rückenturm.
  • B-24D: B-24C mit R-1830-43-Motoren. Die Bewaffnung wurde während des Baus durch den Einbau eines Bendix-Turmes im Unterrumpf verbessert (später von Sperry), 2.696 ab Januar 1942 gebaut.
  • SB-24D: Zehn B-24D sind für die Verwendung als “Nachtbomber” umgebaut worden. Ausgerüstet mit einem Radarzielgerät für den Bombenabwurf, wurden sie mit einigem Erfolg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz gegen Japan eingesetzt.[1]
  • B-24E: B-24D von Ford mit R-1830-65-Motoren, aber ohne Unterrumpf-Turm, 801 gebaut.
  • XB-24F: eine umgebaute B-24D mit beheizbaren Flügelvorderkanten.
  • B-24G: B-24D mit Sperry-Turm in der Flugzeugnase, 25 gebaut.
  • B-24G-1: Version mit verbessertem Emerson A-6-Turm im Heck, 405 gebaut.
  • B-24H: Ford/Emerson A-6 –Turm in der Flugzeugnase, was 50 Änderungen an der Zelle notwendig machte, 3.100 gebaut.
  • B-24J: B-24H mit verbessertem Sperry C-1 Autopilot, 6.678 gebaut.
  • XB-24K: Umbau einer B-24D durch Ford. An den Rumpf setzte man das Heck einer Douglas B-23. Die XB-24K hatte bessere Flugeigenschaften als die B-24D, jedoch sah man aus Kosten- und Zeitgründen von einer Übernahme der Konstruktion in die Serienproduktion ab. Die XB-24K lieferte jedoch die Grundlage der PB4Y-2 Privateer der United States Navy.
  • B-24L: Leicht-Version ohne Türme im Unterrumpf (dafür zwei MGs ohne Turm) und Heck. Der Heckturm wurde jedoch von den Fronteinheiten nachgerüstet, 1667 gebaut.
  • B-24M: B-24L mit leichterem A-6B Heckturm und offen Seitenständen sowie einer strömungsgünstigeren Cockpitverglasung, 2593 gebaut.
  • XB-24N: ein Prototyp einer B-24J mit einzelner Heckflosse ähnlich der XB-24K und verbesserten Türmen. 5168 B-24N wurden bei Kriegsende storniert.
  • YB-24N: Vorserienversion der B-24N, sieben gebaut.
  • XB-24P: Umbau einer B-24D durch die Sperry Gyroscope Company, um neue Feuerlöschsysteme zu testen.
  • XB-24Q: Umbau einer B-24L durch General Electric mit Radar-gesteuerten Türmen.
  • XB-41: Umbau einer B-24D 1942, die mit 14 MGs als Begleitbomber dienen sollte. Der hohe Luftwiderstand der zusätzlichen Türme ließ jedoch die Flugleistungen dermaßen sinken, dass ein Serienbau unterblieb.
  • AT-22/TB-24: C-87-Trainer für Flugingenieure.
  • RB-24L: B-24L mit Türmen der Boeing B-29, um deren Besatzungen zu trainieren.
  • TB-24L_ RB-24L mit Radar.
  • C-87 Liberator Express: Transportmaschine mit R-1830-43-Motoren für 20 Passagiere.
  • C-87A: VIP-Transporter mit R-1830-45-Motoren und 16 Schlafplätzen.
  • C-87B: bewaffnete C-87, nicht gebaut.
  • C-87C: USAAF-Bezeichnung der RY-3 der U.S. Navy.
  • XC-109/C-109: Flugbenzin-Transporter zur Versorgung der B-29 in China von Indien aus.
  • XF-7: Umbau einer B-24D als Aufklärungsflugzeug.
  • F-7:  B-24H-FO als Aufklärungsflugzeug.
  • F-7A: B-24J als Aufklärungsflugzeug (drei Kameras in der Flugzeugnase, drei im Bombenschacht).
  • F-7B: B-24J als Aufklärungsflugzeug (sechs Kameras im Bombenschacht).

U.S. Navy

  • PB4Y-1: 977 B-24D/G/J/M, die an die U.S. Navy geliefert wurden. Alle waren mit Radar ausgerüstet.
  • PB4Y-1P: Umbau einiger PB4Y-1 zu Aufklärungsflugzeugen.
  • PB4Y-2 Privateer: Seefernaufklärer ähnlich der B-24N, aber ohne Turbolader, 736 gebaut.
  • RY-1: drei C-87A der U.S. Navy.
  • RY-2: fünf C-87 der U.S. Navy.
  • RY-3: Transportvariante der PB4Y-2, 39 gebaut.

Royal Air Force

  • Liberator B Mk I: B-24A für das RAF Costal Command, 20 geliefert.
  • Liberator B Mk II: B-24 mit verbreitertem und um ca. 1 m verlängerten Rumpf sowie vergrößertem Heckleitwerk (LB-30 der USAAF), 165 gebaut.
  • Liberator B Mk III: B-24D mit 7,62 mm Browning MG in der Flugzeugnase, zwei an den Seiten, vier im Boulton Paul-Heckturm (ähnlich der Avro Lancaster) und amerikanischem Martin-Rückenturm, 156 gebaut.
  • Liberator B Mk IIIA: B-24D der RAF.
  • Liberator B Mk IV: B-24E der RAF, keine geliefert.
  • Liberator B Mk V: B-24D mit erhöhtem Treibstoffvorrat und Bewaffnung der Liberator Mk III.
  • Liberator B Mk VI: B-24H mit Boulton Paul-Heckturm.
  • Liberator B Mk VIII: B-24J der RAF.
  • Liberator GR Mk V: B-24D mit “Leigh Light”-Suchscheinwerfer und Radar zur U-Boot-Jagd.
  • Liberator GR Mk VI: B-24G/H/J des RAF Coastal Command.
  • Liberator GR Mk VIII: B-24J mit U-Jagd-Ausrüstung.
  • Liberator C Mk VI: zu Transportflugzeugen umgebaute Liberator B Mk VIII.
  • Liberator C Mk VII: C-87 der RAF.
  • Liberator C Mk VIII: zu Transportflugzeugen umgebaute Liberator GR Mk VIII.
  • Liberator C Mk IX: RY-3/C-87C der RAF.

Technische Daten

  • Länge: 21,16 m
  • Flügelspannweite: 33,55 m
  • Höhe: 5,49 m
  • Antrieb: Vier Pratt & Whitney R-1830-65 Twin Wasp Doppelsternmotoren mit je 1.200 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 480 km/h in 9.150 m Höhe
  • Normale Reichweite: 3.360 km
  • Besatzung: 12 Mann
  • Dienstgipfelhöhe: 8.550 m
  • Leergewicht: 17.250 kg
  • Fluggewicht: 26.000 kg
  • Bewaffnung: Zehn Browning M2-MGs, Kal. .50 BMG (12,7 mm) max. 8000 lbs (3,6 to) Bombenlast

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