Die Geschichte der Maschine

Bericht von Hans Renz vom Mai 2000 für das Jagerblatt

(Wurde von der JB- Redaktion leider auch nicht angenommen!)

Die ,,Weisse Drei” aus Krasnodar

Die “Weisse Drei” eine Me 109 G-4, war mit dem Stammkennzeichen BH + XN und der W.- Nr. 19310 in Wiener Neustadt gebaut worden. Vor einiger Zeit hatte das” Jägerblatt” bereits über das Schicksal dieser Me 109 G-4 und ihres Piloten, Oberleutnant v. Coester, berichtet. Coester war am 20.03.1943 ca. 20 km südöstlich von Anapa über dem schwarzen Meer abgeschossen worden. Das Flugzeug war etwa 1987 von russischen Experten geborgen worden. Es war zwar weitgehend vollständig erhalten, wurde aber bei der Bergung und dem Transport zusätzlich beschädigt und blieb ohne Korrosionsschutz, sodaß es sich in einem schlechten Gesamtzustand befand. Davon konnten sich auch Mitglieder der Traditionsgemeinschaft JG 52 bei einem Besuch in Krasnodar überzeugen. Die Traditionsgemeinschaft hatte zu dem Flugzeug sehr schnell eine” familiäre” Beziehung bekommen; nicht nur, weil es sich bei dem Piloten um einen Angehörigen des JG 52 handelte, sondern auch deshalb, weil aus dem Flugbuch eines weiteren, noch lebenden Angehörigen des JG 52, Hans Ellendt, hervorgeht, dass er etwa 14 Tage vor dem Absturz, also Anfang März 1943, die “Weisse Drei” selbst noch geflogen hatte. Inzwischen waren die Überreste der Maschine 1995 nach Italien in die Hände der in Fachkreisen hochgeschätzten Associazione Restaurato Aeronautica (ARA) gelangt und es begann unter der technischen Leitung von Ing. Longoni, Chef der ARA, die aufwendige Restaurierung.

Bereits im Herbst 1999 konnten sich Angehörige der Traditionsgemeinschaft JG 52 von der Qualität der inzwischen geleisteten Arbeit überzeugen. Das Team von Ing. Longoni arbeitet unmittelbar neben einem kleinen Flugplatz in Venegano bei Varese/Italien in einer gut ausgerüsteten Werft der Fa. Aermacchi. Neben der Me 109 ist u. a. ein Fiat CR 42- Doppeldecker in Arbeit. Von diesem Typ wird zur Zeit sogar ein flugfähiger Neubau für einen englischen Piloten durchgeführt. Nachdem weiterhin Teile einer Me 110 auf dem Hinterhof der Werft lagern, ist es dem Team Longoni durchaus zuzutrauen, dass es auch daraus wieder ein komplettes Flugzeug macht.

Im Mai 2000 hat die Traditionsgemeinschaft JG 52 eine Besuchsreise nach Varese organisiert, an der neben ehemaligen Angehörigen des JG 52 erfreulicherweise auch einige Vertreter der “jungen” Generation teilnahmen. Um es vorwegzunehmen: die Erwartungen wurden nicht nur nicht enttäuscht, sondern im Gegenteil erheblich übertroffen. Die Maschine präsentierte sich bei der Ankunft der Besucher vor der Halle und es dauerte nur Minuten, bis sich lebhafte Diskussionen in mehreren Sprachen entwickelten, wobei vor allem die ehemaligen Piloten des JG 52 gewissermaßen als lebende Lexika im Mittelpunkt standen. Hierbei fiel auf, dass insbesondere viele jungen Leute eine erhebliche Wissbegier an den Tag legten. Viel zu schnell vergingen die Stunden und an die Rückreise musste angetreten werden. Da allerdings jede Menge Kameras gewissermaßen “heißliefen”, ist dieser unvergeßliche Tag dokumentiert.

In so traurigem Zustand, lag unsere Me noch vor Jahren in Krasnodar. Was haben die ,,Italiener” für ein Wunder vollbracht! Unser Nesthäkchen ehen ist wieder Auferstanden und wie neu geboren! Siehe auch folgende Fotos, sogar unsere Generale staunen, als ehemalige Inspekteure ist Ihr Urteil von besonderem Wert!

Unser Netshäckchen, die Me109

Unser Netshäckchen, die Me109

Leider ist zur Zeit ungewiß, was aus der “Weissen Drei” wird. Die Besitzrechte liegen außer bei der ARA auch in den USA und ob die geforderte halbe Million US-$ aufgebracht werden kann, um das Flugzeug in Europa zu halten, ist völlig offen. Da die Maschine in Wiener Neustadt gebaut worden war, interessiert man sich natürlich auch dort dafür. Aber auch in Deutschland gibt es möglicherweise Interessenten. Die Möglichkeit einer zeitlich befristeten Leihgabe an verschiedene Museen wird in Erwägung gezogen. Wir können nur abwarten, was die Zeit bringt. Wie die Geschichte auch immer ausgehen mag, alle Teilnehmer der Besuchsreise haben unvergessliche Eindrücke gesammelt und so soll auch an dieser Stelle dem Team Longoni für eine technische Meisterleistuag und dem Organisator der Reise für seine Initiative herzlich gedankt werden.

Walter Wolfrum, Maurizio Longoni, sein Chefmechaniker, Peter Düttmann, Assistent v. Longoni und MHHW, vor unserem Nesthäkchen mit offen Herzklappen

Walter Wolfrum, Maurizio Longoni, sein Chefmechaniker, Peter Düttmann, Assistent v. Longoni und MHHW, vor unserem Nesthäkchen mit offen Herzklappen

links der Geschwaderfahne: Die ital. Spezial-Restauratoren

links der Geschwaderfahne: Die ital. Spezial-Restauratoren

Die Generale G. Rall und F. Obleser, in Altenstein beim Diskutieren mit Kurt Schade

Die Generale G. Rall und F. Obleser, in Altenstein beim Diskutieren mit Kurt Schade

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